Schmerztherapie – der richtige Mix macht's

Um dem Schmerz wirksam zu Leibe rücken zu können, bedarf es eines ganzheitlichen Therapiekonzepts, das aus einem Bündel verschiedener Maßnahmen und dem Zusammenwirken unterschiedlicher Akteure besteht.

  • Eigenständiges Krankheitsbild

    Unabhängig davon, ob sich die Schmerzursache beseitigen lässt, müssen chronische Schmerzen als eigenständiges Krankheitsbild behandelt werden. Ziel ist es, die Schmerzen auf ein erträgliches Niveau zu senken, um das Leben der Betroffenen, die oft einen langen Leidensweg hinter sich haben, wieder lebenswert zu machen.

  • Therapie-Mix

    Das geschieht am besten mit einer ärztlich verordneten Kombination aus medikamentöser Therapie und ergänzenden Verfahren, die die Patienten auf ihrem Weg aus der Schmerzfalle zurück in den Alltag begleiten.

Therapie ist Teamarbeit!

Die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Schmerzbehandlung ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Da es keine Standardbehandlung gibt, hängt der Therapieerfolg entscheidend von Ihrem aktiven Mitwirken ab. Im Idealfall steht Ihnen ein Team aus Schmerztherapeuten, Fachärzten, Psychologen und Physiotherapeuten zur Seite und entwickelt gemeinsam mit Ihnen eine Strategie für mehr Lebensqualität. Dazu müssen sich alle Beteiligten darauf verlassen können, dass Sie nichts verschweigen, den Empfehlungen folgen, Ihre Medikamente regelmäßig einnehmen und gesundheitliche Veränderungen umgehend mitteilen.

Medikamente

Lange Zeit hat sich die medikamentöse Schmerztherapie in erster Linie nach Stärke und Dauer des Schmerzes gerichtet. Moderne Behandlungsmethoden berücksichtigen dagegen auch die Schmerzart. Leiden Sie unter gemischten Schmerzen, müssen auch beide Schmerztypen therapiert werden. Nur so kann Ihnen wirksam geholfen werden. Für die Behandlung chronischer Schmerzen stehen verschiedene Gruppen von Medikamenten (= Analgetika) zur Verfügung. Entsprechend ihrer Wirkstärke werden sie in Nicht- Opioide, in schwache und starke Opioide unterteilt. Bei leichten bis mittleren Schmerzen kommen in der Regel Schmerz- und Entzündungshemmer zum Einsatz, die vorwiegend am Ort der Schmerzentstehung wirken (= peripher wirkende Analgetika) und deren Wirkstoffe kontinuierlich über längere Zeit freigesetzt werden.

  • Nichtopioide Schmerzmittel

    Zu den bekanntesten Nicht-Opioiden gehören die Schmerzmittel Paracetamol und Ibuprofen. Doch auch wenn Präparate dieser Medikamentenklasse überwiegend frei verkäuflich sind, sollten Sie sie auf Dauer nicht ohne Absprache mit Ihrem Arzt einnehmen. Über einen längeren Zeitraum können sie vor allem bei älteren Menschen starke Nebenwirkungen hervorrufen.

  • Opioide Schmerzmittel

    Wenn die Schmerzen nicht nachlassen, ist es in den meisten Fällen besser, auf Opioide umzusteigen, als die Dosis der Nicht-Opioide immer weiter zu erhöhen. Opioide sind starke Schmerzmittel, die die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Rückenmark und im Gehirn hemmen und dabei die schmerzstillende Wirkung der körpereigenen Substanzen nachahmen. Wichtig ist, dass Sie sich strikt an die ärztlichen Vorgaben halten und die Medikamente nicht einfach absetzen oder die Dosierung verringern. Bei korrekter Anwendung führt die Einnahme von Opioiden in der Regel nicht zu einer psychischen Abhängigkeit.

  • Wirkstofffreigabe

    Bei chronischen Schmerzen haben sich sogenannte "retardierte" Opioide bewährt. Diese Arzneiformen setzen den Wirkstoff kontinuierlich frei, was die Schmerzen besser bekämpft. Das erfordert die regelmäßige Einnahme nach einem festen Zeitplan. Als große Erleichterung empfinden viele Patienten die Behandlung mit Schmerzpflastern, die je nach Präparat nur alle drei bis sieben Tage gewechselt werden müssen. Zudem sind sie besonders gut verträglich, weil der Wirkstoff über die Haut abgegeben wird.

  • Medikamenten-Mix

    Da auch Opioide nicht bei allen Schmerzpatienten helfen, setzen viele Ärzte auf die Kombination mehrerer Medikamente, die ihre Wirkung an verschiedenen Stellen des Körpers auf unterschiedliche Weise entfalten. So fördern beispielsweise Antidepressiva oder krampflösende Mittel Schmerzmedikamente in ihrer Wirkung.

Bewegung und Bewegungstherapien

Sich regen bringt Segen! Das gilt für fast alle Schmerzerkrankungen. Deshalb spielt Bewegung eine zentrale Rolle bei der Behandlung chronischer Schmerzen.

  • Physikalische Therapie

    Solange die Betroffenen noch nicht in der Lage sind, sich einigermaßen schmerzfrei bewegen zu können, bringen Maßnahmen wie Massage, Fango, Wasseranwendungen, Kälteund Wärmebehandlungen zumindest kurzfristig Linderung.

  • Falsches Schonverhalten!

    Wenn jede Bewegung schmerzt, neigt man dazu, sie zu vermeiden. Das ist verständlich, aber falsch! Mangelnde Bewegung schwächt Muskeln, Sehnen, Knochen und Bänder ebenso wie das gesamte Herz-Kreislauf-System. Wer rastet, der rostet! Dadurch verschlimmern sich die bestehenden Schmerzen und neue kommen hinzu.
  • Bewegungstherapie

    Danach sollte die aktive Phase beginnen. Zur Bewegungstherapie zählen Verfahren wie Physiotherapie (= Krankengymnastik), Ergotherapie sowie Kraft-, Gleichgewichts- und Koordinationstraining. Unter Anleitung eines Physiotherapeuten oder Trainingstherapeuten mit entsprechender Qualifikation erlernen Sie hier Übungen, die der Beweglichkeit dienen, eine Versteifung der Gelenke verhindern, den Stoffwechsel der Knochen anregen, Kraft und Koordinationsfähigkeit stärken sowie Fehlhaltungen korrigieren. Viele Patienten fühlen sich schon nach wenigen Trainingseinheiten deutlich besser, auch wenn die Schmerzintensität zunächst nur geringfügig beeinflusst wird.

  • Sport und Bewegung

    Wer darüber hinaus aktiv werden will oder sollte, hat die Qual der Wahl. Eine Standardempfehlung gibt es nicht. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass sanfte Sportarten wie Radfahren, Schwimmen, Wassergymnastik, Walking, Yoga, Tai-Chi oder auch ausgedehnte Spaziergänge für ältere Menschen besonders geeignet sind. Da der Spaß an der Bewegung im Vordergrund stehen sollte, suchen Sie sich am besten eine Sportart aus, die Ihnen Freude bereitet. Übertreiben Sie es aber nicht: Tägliches Training ist eher kontraproduktiv, da der Körper ein bis zwei Tage Pause braucht, um sich zu erholen. Besser ist es, etwa drei Mal pro Woche 20 bis 30 Minuten aktiv zu werden und sich langsam zu steigern.

    Rheumatische Beschwerden sind meist Rezeptorschmerzen. Da Rheuma im medizinischen Sinne nicht heilbar ist, geht es bei der Therapie in erster Linie darum, ein Fortschreiten der Erkrankung zu vermeiden bzw. zu verlangsamen und die Schmerzen zu behandeln. In Deutschland sind rund 800.000 Menschen an Rheuma erkrankt.

Es gibt etliche vermeidbare Gründe, warum Menschen mit Schmerzen zu lange ohne angemessene Therapie bleiben:
  • zu lange Suche von Arzt und Betroffenen nach einer akuten Ursache
  • zu lange (invasive) Analgetika als Monotherapie
  • inadäquate medikamentöse Therapie durch den Arzt (zu niedrige Dosis, keine Dauertherapie, zu lange Dosisintervalle)
  • Angst des Betroffenen vor Therapie
  • kulturelle oder religiöse Hindernisse
  • Adhärenz- und Motivationsprobleme des Betroffenen
  • physische, psychische (Depression) und kognitive Beeinträchtigungen, die einen Zugang zur Schmerztherapie und deren Umsetzung erschweren (gilt besonders bei älteren Patienten)

Entspannung für Körper und Seele

Wer unter chronischen Schmerzen leidet, ist permanentem Stress ausgesetzt. Die Betroffenen kennen meist die gesamte Skala negativer Emotionen wie Angst, Wut, Verzweiflung oder depressive Stimmungen. Häufig wird der Schmerz dadurch verschlimmert, was zu weiterem Stress und noch größerer Angst führt – ein Teufelskreis, aus dem viele Patienten alleine nicht mehr herausfinden.

  • Psyche und Verhalten

    Deshalb sollte die Psyche bei der Behandlung chronischer Schmerzen einbezogen werden. Ziel ist es, Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen aufzuspüren, die den Schmerz verstärken, und diese durch ein gesundheitsförderndes Verhalten zu ersetzen. Lassen Sie sich vom Schmerz nicht beherrschen, sondern weisen Sie ihn in seine Grenzen. Dabei helfen Ihnen psychologische Verhaltenstherapien ebenso wie Entspannungstechniken. Autogenes Training, Biofeedback, Meditation, Yoga, Achtsamkeitstraining oder progressive Muskelentspannung beeinflussen die Wahrnehmung des Schmerzes, dienen der Stressbewältigung und aktivieren die Selbstheilungskräfte des Körpers.

    Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie, die den engen Zusammenhang zwischen Schmerz, Psyche und Verhalten berücksichtigt, wird das für Sie am besten geeignete Verfahren ausgewählt.

Akupunktur und Nervenstimulation

Einen festen Platz in der Schmerztherapie haben auch diese beiden Behandlungsmethoden. Mit Nadeln bzw. elektrischen Impulsen werden die Nervenbahnen, die zugleich für die Weiterleitung der Schmerzreize verantwortlich sind, stimuliert. Dadurch wird der Schmerz überlagert und das Schmerzempfinden verringert.

  • Akupunktur

    Die Akupunktur ist eine alte chinesische Heilmethode, die davon ausgeht, dass jeder Organismus von Lebensenergie durchströmt wird. Kann diese nicht ungehindert fließen, wird man krank. Um entsprechende Blockaden aufzuheben, setzen Ärzte an bestimmten Stellen des Körpers feine Nadeln. Diese Behandlung führt bei 60 Prozent aller Patienten mit Schmerzerkrankungen wie Rheuma, Arthrose, Rücken- oder Nervenschmerzen zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden.

  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)

    Elektrische Impulse setzen die Schmerzschwelle herauf und das Schmerzempfinden herab. Dazu werden Elektroden auf die Haut aufgeklebt, die mit einem kleinen Gerät in der Größe eines Handys verbunden sind. Nach einer Einweisung durch den Arzt können Sie diese selbst anwenden. Das Verfahren ist nicht schmerzhaft und verschafft etwa 70 Prozent der Patienten Linderung.

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